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Hypothetisches

Gerade würde es vermutlich etwa eine Woche dauern, bis man mich findet. Vielleicht länger, abhängig davon, wann mein Mitbewohner wiederkommt, einen seltsamen Geruch bemerkt und die Polizei alarmiert.

Aber das ist nur graue Theorie.

17.10.09 06:00


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Drogen, Okkultes und Edamer

Seit... hm, einem Jahr, tendenziell aber eher mehr, gründet sich mein Weltbild darauf, dass wir die Welt nur über unsere Sinne wahrnehmen können und mithin Realität etwas Subjektives ist. Natürlich gibt es einen gewisssen intersubjektiven Bereich, eine gemeinsame Grundrealität, wenn man so will, der Erfahrungen und Wahrnehmungen, die man in Worte kleiden kann, und während das noch nicht garantiert, dass man die gleichen Phänomene mit den gleichen Worten bezeichnet (siehe Farbenblindheit: "Rot" bezeichnet je nach Betrachter eine eigene Farbe oder einen bestimmten Grauton) , garantiert es doch eine gewisse Ähnlichkeit in den Strukturen unserer Wahrnehmung. Das, sowie die Tatsache, dass wir nicht ständig in für uns nicht wahrnehmbare Löcher plumpsen oder von unsichtbaren Kreaturen gegessen werden, garantiert uns auch, dass unsere Wahrnehmungen in einem gewissen Kontakt zu dem stehen, was "im Aussen" geschieht. Für mich folgte und folgt daraus der Schluss, dass es müßig ist, Spekulationen über das anzustellen, was jenseits des Wahrnehmbaren liegt: Leben nach dem Tod, Gott, oder die Frage, ob wir Gehirne sind, die in einer Nährlösung schwimmen. So blöd es klingt: Für uns macht es ja keinen Unterschied, ob es jetzt Gottes Wille war, dass die Leitplanke ausgerechnet an der Stelle ein Loch hatte (oder eben nicht), oder obs einfach scheisse lief; oder ob nun die Nervenenden Schmerz melden, oder ein Rechner einen entsprechenden Stimulus weitergibt.
Gestern nun geriet ich über das Nachlesen zu einer Technik namens "Spiegelstarren" in ein Esoterikforum, und las wieder einmal mit einer Mischung aus Amüsement, Erstaunen und Befremden Beiträge von Nutzern, die im Tonfall der Normalität davon plaudern, sich mit den Hütern von Steinen zu unterhalten, und ausgedehnte ethische Diskussionen zum Gebrauch von Magie führen. Nun war mir das schon länger bekannt; dennoch kam eine eigentlich offensichtliche Erkenntnis erst jetzt.

Aus meinem oben geschilderten Weltbild ergeben sich nämlich zwei interessante Fragen:
1) Kann etwas, das ausserhalb unseres Wahrnehmungssystems existiert (sofern so etwas überhaupt existiert), dennoch Einfluss auf uns haben? Bisland tat ich das als unsinnig ab, bis mir auffiel, dass Interaktion nicht unbedingt immer gegenseitig sein muss, und die Annahme, das sei unsinnig, eigentlich selbst unsinnig ist.
2) Gibt es für uns Menschen Möglichkeiten, unsere Wahrnehmungsfähigkeiten zu erweitern?

Natürlich wirft Punkt 2 das Problem der oben angesprochenen Intersubjektivität auf - in dem Moment, in dem man sein Wahrnehmungsspektrum über die Norm hinaus erweitert, verlässt man auch die Übereinkunft darüber, was Realität ist, und die Möglichkeit, die eigenen Erfahrungen mit anderen abzugleichen. Womit Wahrnehmung, Autosuggestion, Halluzination und Wahnvorstellung ununterscheidbar werden - eine beunruhigende Vorstellung. Freundlicherweise liefert Frage 1 eine Lösung für dieses Dilemma, indem man neue Wahrnehmungen darauf überprüfen kann, ob eventuelle Auswirkungen in der gemeinsamen Realität auch von anderen wahrnehmbar sind. Sind sie das, ist die Wahrscheinlichkeit zumindest gut, dass man tatsächlich darin Erfolg hatte, das eigene Wahrnehmensspektrum zu erweitern. Sind sie es nicht... nun, dann wäre das ein guter Zeitpunkt, einen Arzt aufzusuchen. Und haben sie keine Auswirkungen, sind sie im Grunde genommen egal: Interessant, aber nicht lebensrelevant.

So weit, so schön. Was ergibt sich daraufhin für den Interessierten? Die Frage nach möglichen Wegen, die eigene Erfahrung zu erweitern. Dabei bietet sich zum einen der Konsum von psychtropen bzw. psychedelischen Drogen an, zum anderen eine gewaltige Vielfalt an esoterischen Techniken, die dieses Ziel verfolgen, und von meditativer Gymnastik bis zu magischen Riten vermutlich jeden gewünschten Grad an Seltsamkeit abdecken.
Drogen? Illegal, nicht ungefährlich, man verabschiedet sich unter Umständen von der Fähigkeit des Verstandesgebrauchs (zumindest während der Erfahrung), und mir fiele keine Möglichkeit ein, die Bilder und Erlebnisse während eines Substanzenrausches mit den Wahrnehmungen ausserhalb des Rausches "abzugleichen" - sprich, die Rauscherfahrungen bleiben auf den Rausch beschränkt. Zwar habe ich ein paarmal mit Leuten gesprochen (und ein paar Erfahrungsberichte gelesen), die erzählten, dass ein LSD- oder Salvia-Rausch ihr gesamtes Weltbild umschmissen, ihnen verblüffende Erkenntnisse über die Natur des Universums offenbarten, und Ähnliches. Interessant, aber nicht mein Ding - kein Ansatz, darüber nachzudenken, es zu analysieren, und keine Möglichkeit, festzustellen, woher dieses Wissen stammt. Lass ich also besser.
Bleibt noch die zweite Möglichkeit... Esoterik und Okkultes. Und hier wirds spannend, zumindest für mich.
Zum einen natürlich stellt sich hier das übliche Problem - wo fängt man an? Einfach so, im Selbstversuch? Das kostet Zeit, und ist unter Umständen durchaus risikobehaftet (dazu aber gleich mehr). Oder sucht man sich jemanden, der bereits Ahnung hat? Das wird schwierig. Leute, die sich ernsthaft mit Esoterik und dem Okkulten beschäftigen, sind so leicht zu finden wie Tiefkühlpizza mit echtem Käse drauf. Schließlich beanspruchen auch die rechten Strömungen der Neopaganisten, Scientology oder Hare Krishna für sich, ernsthafte Antworten bereitzustellen - genau wie alle anderen macht- und/oder profitorientierten Scharlatane, Personenkultführer und Faktenbieger. Wie also hier jemanden herausfiltern, dessen Interesse tatsächlich dem Verstehen und dem Vermitteln desselben gilt, und der nicht versucht, eine vorgefasste Meinung - ob nun für oder gegen Phänomene ausserhalb der Alltagswahrnehmung - zu bestätigen? Nicht einfach, und eine Fehlentscheidung bedeutet bestenfalls eine Menge verlorener Zeit, schlimmstenfalls einen Irrweg in eine Sekte oder einen Kult.
Dennoch: Das ist es nicht, was mich zögern lässt.
Ich hatte oben davon gesprochen, dass "Selbststudium" unter Umständen nicht ungefährlich ist, zumindest für mich. Warum?

Überspitzt ausgedrückt, bedeutet die Entscheidung, sich mit Esoterik und Okkultismus zu beschäftigen, für mich auch, meine geistige Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Das klingt jetzt scheusslich melodramatisch, trifft es aber ganz gut.
Ich habe, seit ich denken kann, panische Angst vor allem, was man "übersinnlich" nennen könnte. Insbesondere Geister, aber auch andere unerklärliche Phänomene jagen mir eine Heidenangst ein - wohlgemerkt, ohne jemals etwas dergleichen erlebt zu haben. Leichte Paranoia und milde Panikwellen sind da für mich durchaus nichts ungewöhnliches, und ich entwickle von Zeit zu Zeit eigenartige Spleens, die dazu recht gut passen - in den letzten Wochen etwa eine starke, völlig unerklärliche Angst davor, in den Spiegel zu schauen. Angst davor, was ich darin sehen könnte - ein Spiegelbild von mir, das plötzlich unabhängig agiert, Dinge, die im Spiegel, jedoch nicht im Aussen da sind, oder umgekehrt - Dinge im Aussen, die nicht im Spiegel zu sehen sind. Es ist heller Tag, und weit und breit kein Spiegel in der Nähe. Dennoch bekomme ich, während ich das tippe, eine Gänsehaut und verspüre den starken Drang, mich ständig umzusehen (obwohl hinter mir nur die Wand ist - ich sitze so, dass ich beide Türen im Blick habe). Man sieht: Ich bin ein Feigling, und ein sehr sonderbarer noch dazu.
Das, addiert zu der Tatsache, dass eines der wenigen Dinge, an die ich glaube, unsere Fähigkeit, Dinge verstandesmäßig zu erfassen, ist, lassen obige, melodramatisch klingende Behauptung durchaus Substanz bekommen. Sollte ich tatsächlich eigenartige Phänomene erleben, will ich mir nicht vorstellen, was aus meinen kleinen Spleens und gelegentlichen Angstattacken wird; und selbst wenn nicht: Meine Paranoia schlafen nicht, und saugen begierig jede neue Drohung, jedes unstimmige Detail in sich auf.
Früher stand ich auf dem Standpunkt "Erkennen um jeden Preis". Jetzt, wo das realer wird, wo der Preis plötzlich nicht mehr ein Zahn oder ein Finger oder jahrelange Mühe, sondern meine Verwurzelung in "unsererer" Realität ist - jetzt muss ich mich ernsthaft der Frage stellen: Ist es das wert? Es gibt ein Rollenspiel namens "Call of Cthulhu"; ein Horrorrollenspiel, das im Cthulhu-Mythos von H.P. Lovecraft angesieldet ist. Darin haben die Charaktere neben allen anderen Statistiken auch einen Wert für die "geistige Stabilität". Eine der größsten Gefahren des Spiels ist es, irgendwann mit dem Grauen und der Fremdartigkeit dessen, dem man begegnet, nicht mehr zurechtzukommen, und einfach überzuschnappen - plötzlich kann ich mir das sehr gut vorstellen.

Das Problem an all dem ist: Mich beschleicht gleichzeitig die Vermutung, dass ich vor diesen meinen Ängsten keine Ruhe haben werd, bevor ich mich ihnen stelle. Die Frage ist nur: Was wird mich das kosten, und bin ich bereit, das zu zahlen?
Ich hab mir früher oft vorgestellt, Magier zu sein, fand das ne hübsche Vorstellung... ich weiß nicht, ob es in dieser Welt Magie gibt, aber wenn es sie gibt, so zeichnet einen Magier wohl vor allem die Fähigkeit und der Mut dazu aus, sich genau so etwas zu stellen: Der Ur-Angst vor dem Unbekannten, Unkalkulierbaren, die Beschäftigung mit Dingen, die das eigene mentale Gleichgewicht aus der Bahn werfen können. Ich muss sagen, das macht die Vorstellung nicht mehr anziehend, sondern vor allem eines: Beunruhigend.

Und ich hab ne Menge Fragen, die ich mir stellen muss, bevor ich mich entscheide, in welche Richtung ich jetzt geh.

12.10.09 17:11


Dämmerung

Eigentlich wollt ich ja nur ne Viertelstunde in den Park oderso.

Der Geruch nach Pilzen, nach verrottendem Laub.. das ist angenehm, das ist Herbst. Eine kurze Guckpause an einem Brunnen - ein missgestaltetes Gesicht, das ewig einen Wasserstrahl in ein Becken spuckt. Ich muss mich an den "Brunnen" in Rom erinnern - wie hieß er noch gleich? - von dem man sagt, dass er, wenn man mit einer Hand in seiner Mundöffnung, eine Lüge spricht, selbige Hand abbeisst. Habs ausprobiert damals; meine Hand hab ich noch. Inzwischen merk ich dafür, dass ich Informatiker bin: Ich kreiere eine Aussage, die ein sicherer Test ist, indem sie immer gelogen ist. Ich bin komisch.
Nach einer Weile komm ich auf der Spitze des Hügels an, um den herum der Stadtpark aufgebaut ist - ein weites Rund, wie eine Lichtung, das jedoch nur drei Eingänge in der Steinmauer, die es umfriedet besitzt und mit der Feuerstelle in der Mitte ein wenig an einen keltischen Kultplatz erinnert. Ein schöner Ort für ein Feuer.... viel Platz, relative Ungestörtheit und Diskretion, und eine gewisse Vorwarnzeit für den Fall, dass die Bullen doch was mitkriegen. Vielleicht hier selbst einmal ein Feuer machen? Natürlich nur zu zweit oder dritt, was fast wie eine Verschwendung des Ortes wirkt. Wir werden sehen.
Ich steige auf der anderen Seite wieder herunter, und merke, dass es dunkler wird - die Nacht kommt, aber auch die Wolken werden dichter. Die ersten ganz, ganz sanften Spuren eines Gewitters ziehen in der Ferne auf. Ich mag das sehr.
Nachdem ich ein bisschen kreuz und quer gelaufen bin, entdecke ich einen sehr einladenden Weg, dem ich folge , bis ich kurz vor der Hügelspitze anhand eines an einen Strauch geknoteten Taschentuchs entdecke, dass es der Weg ist, den ich als erstes genommen habe, um auf die Hügelspitze zu kommen. Ich bin irritiert.
Als ich nach zwei weiteren Versuchen, den Park in der gewünschten Richtung zu verlassen, wieder auf der Hügelkuppe stehe, beginnt mir zu dämmern, dass ich es geschafft habe, mich im Stadtpark zu verlaufen. Im Stadtpark, gottimhimmel! Das Ding ist höchstens einen Quadratkilometer groß, wenn überhaupt. Gleichzeitig sucht mein übermüdetes Hirn nach Erklärungsmöglichkeiten: Spielen mir die durchwachten Nächte einen Streich, sodass ich immer wieder im Kreis laufe? Oder will der Park mich nicht fortlassen? Schlagartig scheint alles einen Ton düsterer, das Licht wirkt schwindend, und der Park nimmt eine sinistre, aber auch spannende Schattierung an.
Diese kleine Wahnvorstellung hält etwa 30 Sekunden an. Dann fällt mir auf, dass der Park rund um die Kuppe dreigeteilt ist, und ich immer zwischen den ersten beiden Teilen hin- und hergelaufen bin und mich gewundert habe, warum ich den von mir gewünschten Ausgang - der im dritten Teil liegt - nicht finde. Japp, definitiv Informatiker. Schade eigentlich - die Erklärung vom irrelenkenden Zauberpark hätte mir wesentlich besser gefallen, muss ich zugeben.
Jetzt finde ich relativ schnell hinaus, und bemerke dabei zum einen, dass es tatsächlich düsterer wird - Nacht und Gewitter rücken näher -, zum anderen, dass die Wege des Parks offenbar mit Absicht möglichst verwirrend und verschlungen gestaltet wurden. Ob dies nun geschehen ist, um den Park dadurch größer erscheinen zu lassen, als er ist (klappt bei mir ja gut....), oder um Aachen als Standort durch die Errichtung eines Abenteuerspielplatzes für Räuber und Vergewaltiger attraktiver zu machen, sei dahingestellt... dennoch, vor Einbruch der Dunkelheit schätze ich diese Arrangement, auch wenn es den Wald nicht einmal ansatzweise ersetzen kann. Zu gepflegt, freundlich, kultiviert; und zu sehr die Spur der Menschen.
Als ich schließlich aus dem Park draussen bin, stelle ich fest, dass ich doch den falschen Ausgang erwischt hab (Überraschung...) und noch etwas Fußmarsch vor mir habe. Zunächst jedoch werde ich fast von zwei Segways überfahren. Hilfe... aber passt. Wenn man irgendwo in Deutschland sinnfreies Technikspielzeug ausprobiert, weil es blinkt, summt und Geld kostet, dann in Aachen. Die beiden.. Fahrer? Steher? Lenker? whatever... ah! Technophilen entschuldigen sich bei mir, was ich mit einem undefinierten Grunzen, gepaart mit der Mimik eines Lobotomiepatienten, beantworte - meine sozialen Reflexe sind unverändert überarbeitungsbedürftig.

Um weiteren Überrollversuchen zu entgehen, biege ich in eine mir nicht bekannte Seitenstraße ein, die mich jedoch auf den Weg nach Hause, mit einer Zwischenstation beim Büdchen, bringen sollte.
Die Füße übernehmen jetzt wieder den Weg, ich habe Zeit aufzublicken - und finde mich in einer anderen Stadt wieder. Mittlerweile ist die Dämmerung hereingebrochen, und am Himmel jagen Gewitterwolken; dennoch geht kein Wind, und eine eigenartige Ruhe liegt in allem. Das entstehende Licht zeichnet die Stadt als eigenartigen Parallelort, als Welt der Schatten. Nicht bedrohlich, nicht einmal ansatzweise; jedoch völlig fremd. Eine Stadt, die ich noch nie betreten habe.
Hinter Vorhängen sieht man einen alten Mann in einen Fernseher starren... das künstliche Licht, und der starke Kontrast zu hier draussen lassen ihn wie tot erscheinen; als säße da eine leere Hülle - nein, nicht ganz. Als hätte sich ihr Bewohner ganz tief ins Innere zurückgezogen, und dem Körper die Welt überlassen.
Die Menschen, die mir entgegenkommen, wirken wie Gestalten eines Film-Noir-Werks. Vor mir ragt eine Kirche auf - düster, eine seltsame Basilika, die fremdartigen, mechanischen Göttern huldigt;
ich bin an einem Ort, der kein anderes als dieses Licht kennt.

Dann sehe ich das Schaufenster eines leeren Ladens, das mit frischen Brötchen und warmem Kaffee im Becher wirbt. Der Neonflamingo vor dem Headshop auf der anderen Straßenseite zwinkert mir noch einmal zu, und ich bin wieder in dem Aachen, das ich kenne, bin auf meinem üblichen Heimweg von der Uni.

Ins Büdchen, Cola kaufen; vorbei an einem Betrunkenen, der sich an ein Schaufenster stützt und die Welt anschreit; sich fragen, welche Erinnerung die Neonreklame in dieser seltsamen Abendgewitter heraufbeschwört, die da so hartknäckig im Hinterkopf sitzt; und zusehen, wie die Straßenlaternen angehen und in Aachen die Nacht beginnt.

 Da denkt man, man geht in den Park, und wo landet man? Im Zauberwald und der Schattenstadt. Ich sollte öfter rausgehen.

 

4.10.09 20:11


Ein kurzes Vermissen

Was mir fehlt, ohne besondere Reihenfolge:

Die Hitze
Der Schnee
Der Regen
Der Wald
Die Herbstsonne
Katzen
Die Macchia
Zypressen
Italien
Vietnam
Ein Lächeln
Umarmungen
Küsse
Schlaf
Wachsein
Klarheit
Träume
Tischtennis
Kickern
Dart
Schach
Backgammon
Schafkopf
Die Burg
Die Flüsse
Die Samstage in Mannis Kneipe
Wandern
Den Gasspeicher
Straßenbahnen
Sie.

Man darf das Vermissen nicht vergessen, das hab ich aus Erfahrung gelernt. Aber will man funktionieren, darf es auch nicht viel Raum haben. Und deshalb ist jetzt wieder Ruh.

 

4.10.09 15:52


ich hab so angst, dass sie mich jetzt doch noch verlässt. ich wollt sie nicht shcon wieder enttäuschen, aber es ging nicht anders, ncoh von vorher, und... ich hab so angstangstangstangstangst.

scheisse.

ich hab so angst, und sie tut mir so leid.

2.10.09 20:01


Nachtgang

Nachts ist Aachen keine schöne Stadt. Sie ist auch tagsüber keine Perle, aber nachts gewinnt das nochmals an Qualität. Dabei liegt das noch nicht einmal so sehr an den Gebäuden, nein - es sind die Menschen, die unterwegs sind, die Situationen, denen man begegnet... und die vielen kleinen Andeutungen, Hinweise darauf, was passieren könnte.

Als ich vom Training heimgehe, begegne ich zunächst in einer dunklen Seitenstraße 4 Jugendlichen. Einer von ihnen hat das klassische Silberrückengehabe - auffällige Klamotten, auffällige Gestik, bestimmt, wohin die Gruppe läuft. Sie sehen mir hinterher, und ich werde etwas nervös. In die Unterführung folgen sie mir nicht, stürmen jedoch, als ich etwa 50 Meter weiter bin, laut jolend über die Straße. Ich ziehe meine Winterhandschuhe über - reine Kosmetik, sollten die 4 tatsächlich beschließen, mich anzumachen, kann ich nur noch laufen und beten. Aber es beruhigt mich. Als ich in belebtere Gegenden komme, fallen sie zurück. Nur Paranoia, vermutlich.... dennoch, ein ungutes Gefühl, ein hässliches was-wäre-wenn.

Als ich am Universitätsgelände vorbeigehe - an einem bestrauchten, dunklen Parkplatz, um genau zu sein - ertönt ein kurzes, spitzes, eindeutig weibliches Kreischen. Vom Parkplatz? Von der Straße dahinter, die durchaus schon zum studentischen Viertel gehört? Ich ignoriere ihn zunächst, er fügt sich in das Panorama ein; eine Minute später überfällt mich das schlechte Gewissen. Ich hätte nachsehen sollen. Höchstwahrscheinlich nur eine Weggehergruppe, in der grad Damenärgern angesagt ist. Aber was wenn...? Ich kehre nicht um, trotz des nagenden Gefühls.

Vor einem der vielen Schnellimbisse sitzen ein paar Männer, trinken, unterhalten sich. Sie lachen, als ich vorbeigehe - vermutlich über mich, ich verstehe die Sprache nicht; es klingt nach griechisch. Ich bin viel zu müde, mich darüber zu ärgern, merke kurz darauf, wie meine Knie kurz weichwerden. Bis jetzt habe ich noch nichts gegessen ausser einem trockenen Brötchen; nicht viel für einen Tag. Immerhin gibt es zuhause Pizza und Eistee. Zusammen für 1,80 im Discounter - Monatsende, Sparkost.

Weiter unten, schon fast am Bushof, fahren 2 Trainingskollegen mit Rädern an mir vorbei; so dicht aneinander, dass sie einander fast berühren. Gerade erst zusammengekommen; ich lächle innerlich. Sie bemerken mich nicht, und mir ist das ganz recht so. Ausser meinem Namen, Alter und meinem Studiengang muss in der Gruppe niemand etwas über mich wissen.

Ein paar Schritte weiter eine Frau auf einer kleinen Mauer sitzend. Schwarzhaarig, müde, abgehärmt. Älter, als sie sein sollte. Vor ihr ein Mann, der ärgerlich auf sie einredet - Bosnier, Serbe oder Kroate, Aussehen und Sprache nach zu urteilen. Leicht betrunken laut meinem Ohr; er schleppt die kehligeren Laute. Stärker betrunken, aber daran gewöhnt, meinem Gefühl nach. Ein kurzer Blick der Frau in meine Richtung.. fast hilfesuchend. Ich sehe weg, gehe weiter, und trete mich innerlich dafür. Hinter mir wird die Stimme des Mannes lauter. Wieder ein "vielleicht"....

Kurz vor meiner Wohnung noch der Blick durch ein Lüftungsgitter in einen Keller. Hell erleuchtet, kahl, aber klein. Eine Dame in Putzkleidung darin stehend, mit jemandem redend, den ich nicht sehe oder höre. Wohnt sie dort? ich will es nicht hoffen, aber es wirkt auch nicht so.

Noch einmal kurze, völlig grundlose Nervosität auf dem Hansemannplatz... auch hier zwar immer jemand unterwegs, aber im Gegensatz zum Kaiserplatz niemand, der dort hingeht, weil er sonst nirgendwo hinkann. Ein Typ, der vor dem Sexshop steht und raucht, bestimmt 4 Jahre jünger als ich. 2 Kerle, die sich über den ganzen Platz hinweg rufend unterhalten. Seltsam, das...

Der Stripclub gegenüber hat zu, aber das hat er schon lange. Kein schummrigroter Schimmer mehr aus der Tür, keine defekte Leuchtreklame. Schade irgendwie, auch wenn ich nicht sagen könnte, warum. Aber nun - endlich zuhause, und die letzte Nervosität verlässt mich, als ich den Schlüssel im Schloss drehe.
Schön ist Aachen bei Nacht wirklich nicht. Aber interessant ist es allemal.

29.9.09 00:05


Morgensonne

Unwillkürlich muss ich an Kästner denken: "...bald wird die Sonne scheinen. Aber sie scheint noch nicht."

Ich höre Juli, das eine Lied, von ihnen, das ich tatsächlich mag - "Wenn du lachst" - und das irgendwas in mir anrührt, so wenig ich die ganze Wir-sind-Helden-Abklatsch-Bandsuppe sonst mag.

Warum bin ich wieder hier? Das wüsst ich gern... obwohl... eigentlich aus dem gleichen Grund wie meistens: Es geht mir nicht gut. Vielleicht mischt sich auch der Drang nach Selbstdarstellung darunter - ziemlich wahrscheinlich sogar - aber da ich weder mit Lesern noch mit Feedback rechne, erlaube ich mir den Luxus, zu glauben, dass mein vornehmliches Motiv objektiviertes Nachdenken ist... der Versuch, meinen Kopf zu ordnen, indem ich meine Gedanken schriftlich festhalte - was auch nötig ist, seit mein Gedächtnis und meine Konzentration zu schlecht geworden sind, um einen Gedanken noch so festhalten zu können. Warum online? Weil ich nichts für mich selbst tun kann, denke ich.. der Titel dieses Blogs hat seine Gründe. *lächel*

Und so finde ich mich nun an einem Samstag morgen, nach einer von vielen durchwachten Nächten, an der Tanke gekauften Energydrink in mich reinkippend, den ich mir eigentlich nicht leisten sollte. Kein Alkohol, und seltsamerweise kein Verlangen danach - doch nur eine Phase, damals, oder ist es nicht die Stimmung dafür? Wenn ich die Stimmung denn ergründen könnte... aber momentan sind Antworten genauso rar wie Fragen. Das mag sich eigenartig anhören, aber ich bin der Überzeugung, dass die Fähigkeit, Fragen zu finden und zu stellen, wesentlich ist, um nachdenken zu können. Nichts von dem, was wir als Wissenschaft kennen, wäre je entstanden, wenn nicht jemand irgendwann gefragt hätte: Was passiert hier, und warum? Und je mehr Antworten es gibt, desto mehr muss man kennen, um neue Fragen zu stellen. Ist es für einen Menschen genauso? Für die Beschäftigung eines Menschen mit sich selbst? Vielleicht... es ist wichtig, alte Fragen neu zu stellen, um zu sehen, ob die Antworten die gleichen geblieben sind. Für mcih bleiben sie es oft nicht; aber neue Fragen zu finden, wird dennoch schwerer und schwerer.

Aber ich schweife ab... der Versuch, zu intellektualisieren. Warum bin ich also hier?

Traurigkeit, ohne ihre Quelle zu kennen, vielleicht die Erkenntnis (so es eine solche ist), dass viele der Dinge, über die ich traurig war, keine wirklichen Gründe waren... nur Versuche, eine Traurigkeit zu erklären, die ohnehin vorhanden war. Eine Traurigkeit, auf die ich sogesehen kein Recht habe; nur macht sie das nciht leichter zu ertragen.

Ein anderer Grund mag sein, dass vor 2 Wochen meine alte Festplatte sich verabschiedete - ein paar Minuten Arbeit, ein paar Tricks und Programme, und es stand fest, dass etwas daran fundamental kaputt ist, kaputt genug, dass die Platte nicht mehr zu retten ist. Und das brachte die Erkenntnis mit sich, dass diese Platte die letzten 6 Jahre meines Lebens komplett beinhaltete: Bilder, Musik, Chatlogs, Texte, kurz: Erinnerungen; Erinnerungen, die ich in meinem Kopf nicht mehr habe, und die Erkenntnis, dass diese 6 Jahre online und vorm Bildschirm stattfanden; dass ausserhalb nicht wirklich viel da ist, diese Zeit zu füllen. Ein seltsames Gefühl... fast wie eine teilweise Amnesie. Sogesehen ist dieser (dieses? Weiß der Teufel) Blog der letzte Rest von früher; zusammen mit den drei Menschen, die mir aus den letzten Jahren geblieben sind, und für die ich dankbarer bin als für alles andere sonst.

und doch.... warum bin ich hier? Nicht der Erinnerung wegen, obwohl das hier ein Teil davon ist... ich hab die alten Einträge nicht gelesen. Der Traurigkeit und Leere wegen; vor allem der Leere; von der ich nicht weiß, woher sie stammt oder was sie füllt. Mein Leben ist gut, mir sind die Gründe ausgegangen, traurig zu sein. Aber die Traurigkeit ist geblieben.

Auf die wirklich interessanten Fragen scheint man nie ne Antwort zu finden... *lächel*

In diesem Sinne: Bald wird die Sonne scheinen.

6.6.09 05:56


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