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Black Snake Moan

Heut hab ich nicht mal Lust, ein Computerspiel zu spielen. Oder auch nur nen Film zu gucken. Nichts. Möcht aber auch nicht schlafen. Stattdessen also Musik hören und wirre Dinge schreiben.Wärs nicht so spät, würd ich mich vielleicht in irgendeine Kneipe setzen und die Geschichte schreiben, die ich im Kopf hab... aber nein, tendenziell nicht. So bin ich nur müde; zum Schlafen hab ich aber erst recht keine Lust. Die Woche gehts echt nicht. Wie gesagt: Ich müsste eigentlich dringend zu nem Therapeuten... aber kann mir gerade nichts vorstellen, wies mir besser gehen könnt. Vielleicht doch eine medikamentöse Annäherung an die Sache? Nicht als einzige Maßnahme, natürlich... aber um mich zumindest wieder halbwegs funktionsfähig zu kriegen. Ich sollte dieses Semester Bachelorarbeit schreiben - ich weiß nicht, wie ich das machen soll, und schaffs nicht mal, ein Thema samt Betreuung zu finden. Aber durch Rumheulen wirds kaum besser.
Die letzte Therapeutenerfahrung war allerdings durchaus entmutigend. Die erste Sitzung verbrachte der gute Mann mit dem Versuch, mir eine Therapie auszureden, die zweite mit Nicken und ab und zu wegdösen (so schien es zumindest, außer er denkt gewohnheitsmäßig mit dem Kopf auf der Brust nach....). Natürlich nicht repräsentativ, dennoch entmutigend, bedenkend, dass es ziemlich lang dauerte, bis ich mich soweit hatte, nach Therapeuten zu suchen, und nochmal ne ziemliche Weile, bis ich einen Termin kriegen konnte. Und nun wieder Lähmung, die sich immer weiter ausbreitet. Diese Woche ist ein neuer Tiefpunkt; zwar hab ichs in alle meine 3 Veranstaltungen geschafft, aber sonst nichts. Ah, doch... einmal gekocht und den Herd geputzt. Ansonsten? Sitzen. Lesen, ein bisschen. Unruhig sein.
Dass ich noch lesen kann, ist dabei interessant; also, dass ich dazu noch halbwegs Lust hab (zumindest, wenn ichs mal angefangen hab; zum Anfangen selbst muss ich mich zunächst zwingen) und mich auch darauf konzentrieren kann. Ich denke aber, das liegt rein an der Zeit (ich lese, seit ich 4 bin) und der schieren Quantität. Inzwischen gehört es einfach zu mir. Was mir Angst macht: Meine Liebe zu Geschichten verringert sich. Die eine Sache, die ich wirklich noch liebe, die mich mit leben erfüllt - Erzähltes - scheint vor sich hin zu welken, und wenn P. mal weg ist, weiß ich nicht, was mich sonst noch halten soll. Beim Training war ich seit August 2mal. Werd versuchen, morgen hinzugehen. Aber das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ich kann noch nichtmal sagen, dass ich verzweifelt wär - da ist nur Unruhe, und dumpfe Schwere in meinem Kopf.
Die Angst sticht da durch, aber ich würde es trotzdem vorziehen, darauf zu verzichten. Unruhe und Angst sind nie allzu weit weg, und eine ständige, flüsternde Erinnerung mahnt mich, auf meine geistige Gesundheit achtzugeben - der Angst nicht zu sehr nachzugeben, eine Balance zu halten zwischen konstanter Konfrontation und völliger Vermeidung. Beide verschlimmern meinen Zustand erfahrungsgemäß, und irgendwo in der Mitte liegt eine Zone, in der sich meine Ängste langsam zurückziehen - grade hab ich das Gefühl, aus ihr rausgeraten zu sein und sie wiederfinden zu müssen. Ich denke, "Paranormal Activity" war etwas zu sehr auf der Konfrontationsseite... aber die Rückkehr in den Normalzustand ist in Arbeit. Nervös bin ich trotzdem, und wenn man Worst-Case-Szenarien entwirft, was Passanten auf der Straße einem antun könnten, ist das definitiv kein gutes Zeichen.
Trotzdem geht es zumindest auf dieser Front vorwärts, scheint mir. Einerseits dank P. und ihrer Mischung aus Ermutigung, Verständnis und Horrorfilmgucken; andererseits aufgrund meiner Arbeit an meinem Denken. Entgegen meiner früheren Erwartung lag die Hilfe nicht in zunehmender Beschäftigung mit Esoterik (und ein Teil von mir fragt sich, obs das nicht noch wesentlich schlimmer gemacht hätte), sondern der Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Arbeit und Denken. Zugegeben: Noch hab ich einiges an meinem Weltbild zu basteln, aber ich denke, das ist ein gutes Zeichen. Und dass ich meine spärliche Umgebung monatelang mit dem nervte, was sich mir da erschloss, war wohl auch nicht grade toll, aber ich denke, das gehört irgendwo zu Umstellung der eigenen Vorstellungswelt - entdeckt man etwas Neues, Spanenndes, möchte man es anderen mitteilen; und ist es etwas, das das eigene Weltbild auf den Kopf stellt, gerät man da leicht in die Überanwendung und ins Predigen. Ich denke, mittlerweile hab ich das im Griff; gelegentliche Ausrutscher werden seltener.
Letztenendes habe ich diese Umstellung wohl einem Verschwörungstheoretiker in meinem Bekanntenkreis zu verdanken: Während er sich an Alex Jones wandte, um der Welt Sinn zu entlocken, und mit der Zeit die UN als das Böse schlechthin, den anthropogenen Klimawandel als Lüge und die Anschläge des 11. Septembers als False Flag Operation "erkannte", landete ich in der Beschäftigung mit seinen Argumenten bei den Skeptikern, Forschern und dem Versuch des rationalen Denkens. infowars, prisonplanet und naturalnews wurden seine täglichen Anlaufstellen; die James Randi Educational Foundation, lesswrong und rationalwiki die meinen. Ich finds schade, dass er sich so verlaufen hat - denn er wirkt zwar überzeugt, aber beileibe nicht glücklich -, bin aber froh, dass er mir half, den Weg zu finden. Vorher war ich im Prinzip dabei, in den Solipsismus abzudriften, und hatte weder von Kognitionsforschung noch Erkenntnislehre auch nur gehört. Das Gefühl, eine Liste von "gängigen Denkfehlern" zu sehen, und festzustellen, dass jeder einzelne davon nachvollziehbar ist, und man jeden einzelnen quasi ständig macht bzw. ständig darauf basierende Argumentation als korrekt annimmt, ist schwer zu beschreiben. Aber als ich das erste Mal an den Rändern mitbekam, dass es Menschen gibt, die sich damit beschäftigen, wie Menschen Entscheidungen treffen und Logik auf Denk- und Verhaltensmuster anwenden, öffnete sich eine neue Welt für mich - die Möglichkeit, mein eigenes Handeln und Denken strukturiert zu betrachten, zu überprüfen und auf Sinnhaftigkeit abzuklopfen. Das klingt nicht nach viel, natürlich - aber sich selbst aus einer Panikattacke rausholen zu können, sich in einem Streit klarzumachen, dass man gerade ein fieses, unzutreffendes Argument nutzt oder aus emotionalen Gründen auf der falschen Seite steht, oder auch nur das Wissen präsent zu haben, dass sich Wirklichkeit und eigene Wahrnehmung unterscheiden, sind für jemanden, der angstvoll, emotional unerwachsen und gerne zu starr in seinen Ansichten ist, eine ganze Menge wert.
So, nun aber erstmal Schluss mit Bla - ich stelle aber immerhin fest: Jetzt gehts mir besser. Ich glaube, ich gehe zur Tankstelle, gefährde mein Gewicht noch etwas mehr, und mach irgendwas Nettes. Irgendwas find ich schon.
23.11.12 03:19
 


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